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Dr. phil. Nina Clara Tiesler

Warum sollte man sich heute wissenschaftlich mit Religion auseinandersetzen?


Zu oft werden religiöse Zuschreibungen als Differenzkategorien missbraucht, um Teile der Bevölkerung auszuschließen oder zu stigmatisieren. Im Gegensatz zu diesem heute salonfähigen normativen Gebrauch von "Religion" in öffentlichen und politischen Diskursen  -  paradoxerweise fallen diese damit hinter die Ideale der Aufklärung zurück - bietet die wissenschaftliche Beschäftigung ein differenzierteres Verständnis. Wenn man bedenkt, dass noch in den 1970er Jahren Religion(en) auf keiner politischen und kaum einer wissenschaftlichen Agenda standen, so ist der Bedeutungsaufschwung religiös gewendeter Kategorien heute doch erstaunlich. Als kritische Beobachter_innen des Zeitgeschehens sollte man sich fragen, ob heute in den Wissenschaften wirklich so viel Licht herrscht und noch vor Kurzem so viel Dunkelheit. Dazu schauen wir in diesem Masterstudiengang hinter die Kulissen der öffentlichen und politischen Diskurse, denn auch diese spiegeln einen spezifischen gesellschaftlichen und kulturellen Kontext wider.

Was ist das Besondere am M.A. Studium in Hannover (fachlich und örtlich)?


Religionen und Religionsverständnisse sind keine feststehenden, homogenen Größen, sondern historisch wandelbare, heterogene, kontextgebundene Phänomene. Ihre heutigen Bedeutungen (ebenso wie Dimensionen ihrer Bedeutungslosigkeit) sind Erscheinungen der Moderne. Der hannoversche Studiengang legt das Augenmerk auf eben dieses konstitutive Element: Die Entwicklungsdynamik von Religion(en) im spezifischen Kontext - denn prägend sind konkrete gesellschaftliche Erfahrungen und die jeweiligen kulturellen, sozialen, demographischen und politischen Gegebenheiten. Die hannoversche Religionswissenschaft hat eine gleichwertig starke wissenssoziologische, historische und empirische Tradition. Eine weitere Stärke des Masterstudiengangs ist die Integration anderer Fachdisziplinen, sowie ferner die geographische und methodologische Bandbreite der Forschungsexpertise der Lehrenden - von Lateinamerika über die USA, von Europa bis nach Asien, nach Afrika, etc...

Welche Perspektive tragen Sie zum MARikK bei?


Gewiss eine wissenssoziologisch geprägte religionswissenschaftliche Perspektive sowie jene der soziologischen Theorie - beide stellen die Arbeit am Begriff, also einen differenzierten, diskurskritischen, selbstreflektierenden Umgang mit Konzepten und Kategorien in den Vordergrund. Qua Ausbildung und langjähriger Feldforschungserfahrung im Ausland kommen noch ein Strauß vornehmlich qualitativer Methoden, sozial- und kulturanthropologische Perspektiven und solche der Postcolonial Studies hinzu. Meine Expertise liegt im Bereich der Migrationsforschung (Stichworte: Religion und Migration, Identitätspolitiken) und auf den Feldern Muslime in Europa, in den USA und in afrikanischen Ländern.

 

 Weitere Informationen, wie z.B. Sprechzeiten finden sie hier.